Dreharbeiten "Callsign DRAGON 1"

Start der beiden Draken in LOXZEndlich ist es so weit! Bewaffnet mit der Filmkamera besteige ich die Saab 105 OE "Juliet", die viersitzige Version der Düsentrainer des österreichischen Bundesheers. Nachdem die Gurte fest geschnallt sind und ich den Sprechfunk am Kopf habe, senkt sich die Kabinenhaube - die Triebwerke werden angelassen. Nochmals gehe ich meine Checkliste durch und präge mir die Aufgabenstellung ein. Als die Turbinen aufheulen und sich das Flugzeug in Bewegung setzt, sind all die Schwierigkeiten und Planänderungen im Vorfeld vergessen. 

Mein Pilot, Vzlt Hubert Strimitzer - eine Legende der österreichischen Militärfliegerei, fährt auf die "26", richtet die Maschine aus und beschleunigt. Wild tosend rumpeln wir über die Startbahn, ehe der Auftrieb uns in die Lüfte hebt. Eine 180 Grad Kurve bringt uns auf den Gegenkurs der Flugplatzrunde. Erneut hebt sich die rechte Tragfläche und vor uns befindet sich die Landebahn, auf der inzwischen die beiden Draken, die Nummer 18 und die Nummer 24, Aufstellung genommen haben. 

Hektisch richte ich die Kamera auf die Die beiden Draken ziehen an uns vorbei beiden Luftraumüberwachungsflugzeuge, die in diesem Moment auch schon zu rollen beginnen. Rasend schnell nähern wir uns den beiden von hinten, die Triebwerke der kleinen Saab 105 geben lautstark darüber Auskunft, wie mein Pilot versucht an den beiden rollenden Flugzeugen nicht vorbei zu schießen. "Verdammt, jetzt sind die beiden aus dem Bild!", hämmert es durch meinen Kopf, als der Sucher der Filmkamera nur mehr das Flughafenareal zeigt.

Sekunden später ziehen die beiden "Drachen" majestätisch an uns vorbei und wir hängen uns in optimaler Entfernung an die Rotte. Wir sind jetzt auf dem Weg ins Ennstal, wo die Bergkulisse von Grimming und Dachstein uns tolle Bilder liefern soll. Jetzt ist endlich Zeit, die Draken näher zu betrachten. Majestätisch gleiten sie durch die Luft. Ja, das Doppeldelta macht diesen Jäger der Fünfzigerjahre zu einer klassischen Schönheit. Alt, aber immer noch zuverlässig, dank der Techniker, die durch ihren Zwei Draken im Ennstal persönlichen Einsatz diesen Vogel immer noch am Fliegen halten.

Mit 350 Knoten, das entspricht zirka 650 Stundenkilometern rasen wir das Ennstal entlang. Rasen ist vielleicht etwas übertrieben, die Draken werden wohl nur mit "Standgas" fliegen, aber die kleine Saab 105 muss schon ganz schön arbeiten um mit den Draken mitzuhalten. Die Kamera wieder ausrichten und auf das Motiv scharf stellen. Leichte Turbulenzen schütteln die Maschine in der Luft, aber kurze Zeit später sind wir da bereits durch. Wir befinden uns in Höhe des Grimming, der wolkenverhangen über dem Ennstal thront.

Weiter geht es Richtung Dachstein, dessen markante Südwand wir wenig später erreichen. Der Wolkengott ist diesmal mit uns, denn das Kalkmassiv ist frei von Wolken - also Kamera fixieren und einmal in Formation um den Gipfel. Schon ist der Gletscher unter uns, der sich, für jedermann gut erkennbar immer weiter zurückzieht. 

Saab S35OE Draken vor dem Dachstein2 Draken vor dem Dachsteingletscher

Draken über dem AtterseeKurz darauf befindet sich Bad Ischl unter uns und wir springen über den Bergrücken zum Attersee. Auch aus der Luft hat dieser See seine einzigartige Farbe, die ich jetzt mit den Draken im Vordergrund einzufangen versuche. Wie im Briefing vor dem Flug besprochen, folgen wir dem See in nördlicher Richtung, um über dem Flachland dann Richtung Trausee einzudrehen. Die Kulisse ist phantastisch - die beiden Draken vor den Alpen. Lediglich die Reflexionen des Cockpits machen mir zu schaffen. Je schöner die Lichteffekte auf den beiden Maschinen, umso ärger die Reflexionen im Cockpit.

Dann taucht der Traunstein hinter den beiden "Drachen" auf und wir beginnen die Kehre, denn es soll zum Attersee zurück gehen. Unter uns verschwindet Gmunden und wir drehen jetzt auf Altmünster zu.

 

Draken vor dem TraunsteinDraken über dem Traunsee

Wieder geht es zum Attersee mit seinem türkisen Wasser zurück. Mein Pilot fragt mich, ob ich die Draken vielleicht auch mal von oben filmen möchte. Ohne über die technische Umsetzung auch nur ein bisschen nachzudenken, bejahe ich und werde von den Flugbewegungen des Fliegers überrascht. In einer Tonnenrolle zieht der Pilot die 105 über die Draken, um die Maschine sofort in einer Linkskurve abzufangen und anschließend seinen Platz in der Formation wieder einzunehmen, denn Kunstflug ist mit der 4-sitzigen Version nicht erlaubt. Schade, denke ich, denn dieses Manöver hat mir eigentlich doch ganz gut gefallen, der Druck, der auf meinen Körper einwirkte, als das Flugzeug aus der Rolle abgefangen wurde, hat erahnen lassen, welche Kräfte auf die Piloten während eines Kunstflugs einwirken.

Rolle über die beiden Draken - im Untergrund der AtterseeDraken über dem Attersee

Schon schwenken wir Richtung Süden und folgen dem Attersee Richtung Dachstein, um zur Heimatbasis zurück zu kehren. Die Zeit ist sprichwörtlich wie im Flug vergangen! Bergrücken, Wälder und Täler ziehen unter uns vorbei und als ich mich gerade frage, wo wir denn jetzt gerade wären, sehe ich, wie die beiden Draken mit den Landevorbereitungen beginnen. Mit kleinen Störklappen bremsen die Düsenflugzeuge ab, ehe das Fahrwerk ausgefahren wird. Die Thermik schüttelt uns wieder durch und ich kann nur hoffen, doch einige Sequenzen ohne Schütteln aufzunehmen. Schön parallel hält mein Pilot die kleine 105, sinkt mit den beiden Draken, die kurz darauf auf der Landebahn aufsetzen, während wir durchstarten und wenige Minuten später ebenfalls wieder am Boden sind. Schade, die Zeit war so schnell vergangen und wenn ich ehrlich bin, habe ich eigentlich nicht sehr viel gesehen, aber dafür habe ich ja immer noch die Filmaufnahmen.......

 
(C) 2001, Klaus Drössler